Seit dem Mittelalter sind Passionsspiele ein wesentliches Merkmal der reichen Tiroler Kulturlandschaft.

Wir wissen aus alten Überlieferungen, dass bayerische Wallfahrer auf ihrem Weg nach Altötting im Jahr 1613 ein Osterspiel auf der Scheiben in Erl gesehen haben.

Damit beginnt die Geschichte der Erler Passionsspiele.

Sicher sind sie in jener Zeit der religiösen Begeisterung, die nach den Glaubenskämpfen des 16. Jahrhunderts in den wiedererstarkten katholischen Ländern um sich griff, in Dankbarkeit für Gottes Schutz vor Pest und Krieg aufgeführt worden.

Die Wurzeln der Erler Passion gehen auf ein Osterspiel des Meistersingers Sebastian Wild aus Augsburg aus dem Jahre 1565 zurück.

Die ältesten urkundlichen Aufzeichnungen sind bei den großen Bränden, von denen Erl in den Jahren 1703/04, 1743/44 und vor allem 1809 heimgesucht wurde, vernichtet worden, wobei auch die ersten Texte mitverbrannt sind.

Durch all diese 400 Jahre ist den Erlern das Spiel vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus immer ein Anliegen geblieben,  den Erlösungstod, als der wichtigsten Tatsache der Heilsgeschichte, dem Publikum nahe zu bringen.

 

Die Musik

von Cesar Bresgen, welche von 1979 bis 2002 gespielt wurde,  war nach den Worten des Komponisten „als Brücke zwischen Bühne und Spielgemeinde“ zu verstehen. Die Chorsätze wurzelten größtenteils in der alpenländischen Tradition, ohne allerdings Volkslieder selbst zu zitieren. Alle Melodien waren Neuschöpfungen. Unabhängiger und dem dramatischen Geschehen zugeordnet waren jene Teile, die von der Orgel und den Bläsern gespielt wurden.

Die Musik von Cesar Bresgen für Orgel, Chor und Bläser war in dieser Zeit  ein wesentlicher Bestandteil des meditativen Spiels.

In den Jahren zuvor wurden bei den Passionspielen Erl Kirchenlieder und Kirchenmusik verwendet. (Prof.Hafner)

Seit den Passionsspielen 2008 wird die Komposition von Wolfgang Wagner aufgeführt.

 

Das Bühnenbild

wurde 1959 von Lois Egg geschaffen. Er war damals Ausstattungsleiter und Bühnenbildner am Burgtheater in Wien und hat für viele Schauspiel- und Opernhäuser in aller Welt Bühnenbilder geschaffen. Er war Leiter der Meisterklasse an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Lois Egg schrieb auch eine Diplomarbeit über Passionsspiele. Die Bühnenraumgestaltung im Passionsspielhauses stammte ebenfalls von ihm.

Gespielt wurde von 1959 bis einschließlich 1973 Vormittag und Nachmittag: 11.00 bis 13.30 Uhr, und von 15.30  bis 17.15 Uhr. Seit 1979 beginnen die Passionsspiele um 13.00 Uhr, jeden Samstag und Sonntag, von Mai bis Oktober.

In den Zwischenjahren fanden und finden hochrangige Orchersterkonzerte im Passionsspielhaus statt.

Seit 1998 sind Opernaufführungen und Orchesterkonzerte im Rahmen der Tiroler Festspiele Erl zu sehen und zu hören. Gesamtleitung: Prof. Dr. Gustav Kuhn.